Dienstag, 10. November 2009

Thiruvannamalai - Full Moon Walk

Auf anraten einiger Kollegen und Geschichten die man über diesen Ort hier hört sind wir zu einem Vollmond nach Thiru gefahren. Das ist ein Ort ca. 100 Km ins Landesinnere von uns aus. Wir nahmen einen von Auroville organisierten Bus und fuhren zum Vollmond dorthin. Es ist unter den Tamilen eine Pilgerstätte. Man läuft 14 Km um den Heiligen Berg, Barfuss und schweigend oder betend, alles was man sich wünscht wird in Erfüllung gehen so sagt man hier. In meiner Vorstellung malte ich mir Bilder von einer Bergstraße mit Geröll, Fackeln an der Seite und tausende von Menschen. Tatsächlich war dort eine Hauptstraße auf der man langlief und ab und zu noch dem Bus ausweichen musste. Im ersten Moment war ich etwas enttäuscht weil es so gar nicht vermutet hätte. Auf den ersten Blick war auch nichts spirituelles an dem Full Moon Walk zu entdecken, nur die Tempel am Rand für die verschiedensten Götter ließen vermuten das das ein Pilgerweg ist. Am Wegesrand waren neben den Tempeln tausende kleine Händler welche wie üblich alles verkaufen, von Zuckerrohrsaft über DVDs bis hin zu Steinskulpturen. Aber im Großen und ganzen war es ein netter ausflug und wir hatten trotz anderer Vorstellung unseren Spaß.

Monsun

Vor ein paar Tagen begann hier der Monsun, von den Farmern lange erwartet. Es war schon so das man merkte wie an manchen Ecken das Wasser zur Neige ging. Der Druck in den Duschen wurde weniger, der Boden riss ein und man spürte regelrecht wie alles nach Regen lechzte. Dann kam die Wende, mit einem mal jeden Tag Unmengen von Wasser und man sehnt sich plötzlich nach Sonne und trockenen Klamotten. Es ist schon ein äußerst ungewohntes Leben obwohl natürlich jeder wusste wann es losging und man sich schon darauf vorbereiten kann, allerdings ist man gegen einige Dinge beinahe Hilflos, wie z.B. die ständigen Powercuts die deutlich zugenommen haben, man kann davon ausgehen das gerade Powercut ist wenn es regnet. Ich erklär mir das mit Kurzschlüssen irgendwo im Stromnetz, dann schaut man also raus gegen eine Wand aus Wasser, welche in der Dunkelheit versinkt. Auf das soziale Leben hat das auch den Einfluss das der nahezu das ganze Jahr gleiche Alltag unterbrochen wird und man Sonntags nicht mehr Cricket spielen kann, bzw. man verkriecht sich viel nach Hause, genervt aber wohl wissend das der Regen durchaus gut ist.
Die Arbeit verändert sich auch ein wenig, denn es ist einfach unmöglich zu planen, weil man nicht weiß wann es regnet und dazu noch einige Systemstörungen dazu kommen, wobei sich paradoxerweise meiner Meinung nach gerade bei diesem schlechten Wetter die Solarpanels auszahlen, denn sie haben eindeutig weniger Powercuts als das indische Stromnetz. Aber das spannende an der ganzen Sache ist echt dieser Planungsaspekt, denn normalerweise planen meine Kollegen alles durch, das wird dann direkt wieder über den Haufen gefahren, dann wird neu geplant und umgeplant, man könnte meinen ohne Plan wäre es besser. Doch dann Laufen alle nur wild durcheinander und der eine macht das, der andere das und der dritte schaut zu. Und ich stellte fest, lieber einen Plan haben und neuplanen als gar nicht zu planen.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Der Manager

Heute war mal ein etwas anderer Tag. Letzten Dienstag war ein Empfang von dem Deutschen Konsul in Chennai und dort hatten Lea und Lucas den Vertriebschef für Indien eines großes deutsches Unternehmen kennengelernt. Er erzählte uns das er einen total verwöhnten Sohn hätte und ihn gern mal nach Auroville schicken möchte. Er selbst hatte viel Respekt für uns übrig, für das was wir hier machen und wollte es sich auch gern mal anschauen. Also kam er mit seinem Sohn und einer Bekannten an einem Samstag, um sich Auroville anzuschauen. Wir führten sie ein wenig über die Farmen und zeigten ihnen Siddharta Forest, die Community in der Lucas und ich wohnen. Das meiste hatte leider zu, weil an dem Tag Diwali war, das ist so wie Weihnachten im Hinduismus. Es gibt Süßigkeiten und man verbringt zeit mit der Familie. Ich kam mit Ihm und seinen Sohn gut zu recht aber die Frau war die Härte… Sie ließ reihenweise Kommentare vom Stapel die waren platt, nicht zu ende gedacht und provokant. Zum Beispiel sagte sie Sachen wie unnötig es sei hier organic Farmen zu betreiben, wenn im nächsten Dorf die Menschen hungern… klingt auf den ersten Blick ganz logisch, aber wenn man bedenkt das die Menschen hungern, weil die Umwelt hier total am Arsch ist und normal kaum was wächst, ja dann lass doch alles noch mehr in den Arsch machen… Oder da liegt ein ganzes Feld brach, wenn man da Solaranlagen aufbaut könnte man sogar noch richtig Geld machen… wobei der nächste Strommast ein knappen Kilometer entfernt ist… das lohnt sich…
Naja solche Sachen gabs Reihenweise. Aber ganz unten durch war sie bei mir nach einem Kommentar. Es ging um tamilische Männer, die sich zulaufen lassen und ihre Frauen schlagen, was hier echt ein großes Problem ist. Da meinte sie das sei ja im Osten in Deutschland auch so, bei den ganzen Arbeitslosen… dazu brauch ich ja wohl nix mehr zu sagen… aber genug aufgeregt. Nachdem wir ein wenig von Auroville gezeigt hatten ging es direkt nach Pondy zum Mittagessen, er hatte uns eingeladen, mal wieder richtig essen zu gehen. Wir wollten ihn eigentlich mal dazu überreden mit uns an die Koot Rd. Zum Parottas (Pfannkuchen ähnlich, wird mit Paprikachutney o.ä. gegessen) essen zu gehen. Aber für so indische Sachen ist er nicht zu begeistern… zu hause kocht ihm sein indischer Privatkoch ausschließlich deutsches Essen, was er auch dem Sohn in die Schule bringt…
Auf jedenfalls fuhren wir dann mit seinem Fahrer nach Pondy in ein gehobenes Restaurant (d.h. man zahlt für 8 man 75 €… davon leb ich normal einen halben Monat). Und es war auch sehr lecker aber ich stellte fest das ich diese Art und Weise des Lebens gar nicht vermisse. Er fragte dann auch ob er uns was aus Deutschland mitbringen soll, ob wir was vermissen und ich überlegte und überlegte und stellte fest, das ich hier gar nix dingliches vermisse. Das war so ein schönes Gefühl sagen zu können ich habe hier genug und das auf einem relativ niedrigen Niveau. Ich mein klar die Wäsche nicht mehr mit Hand waschen zu müssen oder nicht mehr mit einem Eimer zu duschen, das sind alles Vorzüge aber bei weitem nicht essentiell. Dann gab es noch eine witzige Situation, zum Abschluss bestellte er sich noch einen Espresso und der wurde ihm gebracht mit Würfelzucker, ich fing an zu grinsen und sagte nur haha Würfelzucker. Er schaute mich verwundert an und ich meinte, ja wir sind leicht zu beglücken was, hab seit 2 Monaten keinen Würfelzucker gesehen, das hatte ich in dem Moment festgestellt. Naja dann war der Tag auch schon wieder um, er war schön und ich hattte das Wissen das ich mir grad nix anderes wünsche als so zu leben wie just in diesem Moment. Mit Kontakt zu Menschen die eine so grundverschiedene Vorstellung vom leben haben und einem durch völlig normale Kommentare und Fragen zum lachen bringen, Mit einem Leben ohne Überfluss, obwohl man ihn jederzeit haben könnte und mit Menschen die Zeit zu verbringen, die das nur allzu gut verstehen können.

Dienstag, 20. Oktober 2009

Die ersten Wochen Arbeit

Nach langer Freizeit begann ich vor 2 Wochen denn endlich mal mit dem wozu ich hier bin. Ich nahm mir vor so viel zu arbeiten, wie es meine Kollegen tun. Das heißt, 8 std am Tag an 6 Tagen die Woche. Der Normale Arbeitstag sieht wie folgt aus: man kommt so kurz vor 9 am Office an und muss alle Fragen ob sie denn Hilfe brauchen. Dann sagt einer ja und ich fahr mit, ob selbst oder bei einem Kollegen auf dem Bike. Mittlerweile habe ich schon SSL, SWH und UPS skills wie man so schön bei uns sagt. SSL steht für Solar street light, SWH für Solar Water Heater und UPS ist ein Backup System für den Strom. Es ist nur so witzig wie die das so stolz erzählen. Aber alles in allen besteht meine Arbeit darin auf Dächern herumzuklettern, Photovoltaik Panels oder Solar Water Heater zu installieren. Ich verbinde damit ein wenig Idealismus, sonst hätte ich wahrscheinlich nach einer Woche kein Interesse mehr so viel Energie in das Projekt zu stecken. Ich bin also ein Teil derer die es ermöglichen, Leuten die es sich leisten können, mit Öko-Strom zu versorgen und dabei gleichzeitig Qualität und Zuverlässigkeit ins Haus holen. Denn im Gegensatz zu Deutschland ist der Solarstrom zuverlässiger als in Deutschland. Denn das Stromnetz ist so wie das Wetter in Deutschland, immer total wirsch mal so mal so und alles in allem total schlecht.
Ich war letztens total fasziniert, wie gut die Solar Heater eigentlich funktionieren, bzw. wie schnell die Tubes das Wasser erhitzen. Wir hatten an einem stark bewölkten Tag einen Heater aufgebaut und die Glas-Tubes lagen auf dem Dach, beim Zusammenbauen nahm ich dann einen Tube in die Hand und es kam kochend heißes Wasser heraus, ohne das die Sonne direkt drauf schien…
Ansonsten gibt es von Arbeit nicht so spannendes zu berichten, außer ein paar witzige Sachen, die man aber nur versteht wenn man das Feeling von hier hat. Morgen geht es nach Kodaicanal, darauf bin ich mal gespannt, das ist ein Ort der ca. 350km von Auroville. Am Sonntag um 11 geht der Bus ab Pondy und am Montag gegen 8 sind wir dann dort um einen Solar Water Heater bei einen weltbekannten Künstler, den hier keiner kennt, zu installieren. Wenn wir das erledigt haben geht’s ab in den Bus zurück und dann sind wir so nachts gegen 4 dann wieder in Av. Finde es so faszinierend das man nur um einen solchen Tank aufzubauen 700km fahrt auf sich nimmt. Aber gut ist es natürlich auch, so sehe ich noch ein bisschen mehr vom Land und werde die schönen Ecken auskundschaften.

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Bikegeschichten

So also nun ein bisschen Stoff für die Rubrik Toni und die Straße…
Wie schon erwähnt hatte ich bei der einen Granit Mines Tour die Bremse von meinem Bike etwas umgebogen. Nachdem ich das bei meinem Bikevermieter zurückgegeben hab, besorgte ich mir von einem anderen ein neues, was zudem noch günstiger war, mehr service für weniger Geld. Dafür sollte es für einen Tag eine Honda Hero sein, wie ich auch schon vorher hatte, allerdings hatte sie ein paar Macken, wie z.B. ging der Motor bei nicht ständigen betätigen des Gashebels regelmäßig aus und noch viel schlimmer, die Hupe funktionierte nicht. Dann kam dazu, das ich mich direkt am ersten Morgen mit dem Bike hinlegte… Ja das passiert hier schnell. Ein Hund rannte kurz vor mir auf die Mitte der Straße und guckte mich bellend an, nachdem meine Hupe nicht ging, griff ich reflexartig zur Vorderbremse, ein großer Fehler denn das Vorderrad blockierte und der Lenker knickte ein, sodass ich noch abspringen konnte und mir ein paar kleine Schürfwunden zuzog. Die Sache im allgemeinen hier ist, man fährt halt ohne wirkliche Schutzkleidung, dafür aber für deutsche Verhältnisse nur Spielstraßengeschwindigkeit. Daher ist mir auch bei der Begegnung mit dem Hund kaum was passiert, nagut ich konnte 1 Woche lang nicht schwimmen gehen und musste regelmäßig zum Dressing (Verbandswechsel) aber sonst hatte ich keine Einschränkung. Jedenfalls hatte auch dieses Bike klare Spuren meiner Benutzung davongetragen. Die Frontblende war total gebrochen, aber nur optischer Schaden. Dann bin ich noch eine Woche mit dem Bike gefahren, dann riss mir die Kette. Ich rief Lakschman an und sagte ihm mir sei die Kette gerissen, daraufhin schickte er seinen Mitarbeiter los, ein ca. 14 jähriger Junge, welcher gezielt die Verkleidung aufschraubte und feststellte das die Kette gerissen ist. Also rief er seinen Chef an und der schickte noch jemand vorbei, wir dachten es kommt nun jemand mit einer neuen Kette, aber wie das hier in Indien so läuft wird dann mal eben die Kette von dem Bike des Mechanikers ausgebaut und ich mit dem Bike zur Werkstatt geschickt, klang gar nicht gut… Auf jeden Fall hatte dann Lakschman ein neues vorübergehendes Bike für mich, eine Bajaj Caliber 115, mit folgenden Macken: Licht funktioniert nicht immer, Hinterrad völlig runtergefahren und relativ klein, also optimal für mich kleinen Menschen. Also 2 Tage mit dem Bike unterwegs gewesen, nachts ohne Licht, nur mit Stirnlampe gefahren, aber sonst alles glatt gelaufen. Heute früh brachte er mir dann eins vorbei, was ich hoffentlich mal etwas länger fahren kann. Gleiches Modell wie das Letzte, nur mit höherem Lenker, tieferen Pedalen, dickeren Griffen, also optimal für mich großen Menschen. Und man glaubt es kaum, bisher ohne Macken!
Auch wenn das jetzt manche beunruhigt hat, werde schon heil zurückkommen.
In diesem Sinn gute Nacht und gute Fahrt!

Ausflug mit Martin

Am Sonntag lud uns Martin, mein Weltwärts-Pate, zum einem Ausflug mit seinen Kids ein. Martin ist in seiner Haupttätigkeit Gärtner, nebenbei allerdings leistet er eigentlich viel mehr. Seine Familie besteht momentan aus Ihm und seiner tamilischen Frau plus 7 Mädels und einem Jungen und 2 Jungs aus erster Ehe, welche allerdings schon ausgezogen sind. Die Mädels sind so im Alter von 10-23 und kommen aus schwierigen Verhältnissen, was hier leider relativ häufig ist, dass der Vater alles versäuft und die Frauen schlägt. Kinder aus solchen oder ähnlichen Familien, bietet er ein geborgenes Heim und hilft den Girls selbst Fuß zu fassen, allerdings respektiert er auch die Tamil-Kultur und besteht darauf das der Kontakt zur “alten” Familie bestehen bleibt. Schwierig sind Themen wie arrangierte Heirat oder Feste für das Kind, das wird den Familien überlassen, z.B. wird hier ganz groß gefeiert, wenn das Mädchen das erste mal ihre Tage hatte, denn dann ist sie im Heiratsfähigen Alter. Solche Feste sind in der Kultur sehr wichtig und daher auch Familiensache. Fasziniert hatte mich die ganze Sache jedenfalls an einer anderen Stelle, es kam die Frage, ob er für diese “arbeit” finanzielle Zuschüsse bekommt. Denn selbst als Europäer kommt man nach einigen Jahren die man hier lebt an den Punkt an dem nicht mehr alles Günstig ist sondern normalteuer… Als Aurovillianer bekommt man einen monatlichen Fixbetrag, welcher deutlich unter dem liegt, den wir über Weltwärts bekommen. Was ich damit sagen will ist das er relativ wenig zur Verfügung hat und doch mit Herz und Seele für seine Girls da ist und sie auch finanziell unterstützt. Auf die Frage antwortete er, er hätte sich es halt ausgesucht so zu Leben und müsse also auch die Verantwortung tragen, was er mit Vergnügen tut, wie man bei ihm leicht erkennt. In die Gedanken kamen mir diverse Hilfsorganisationen die damit werben, das schon 1 Euro am Tag einem Kind ein besseres Leben beschert, ich konnte es mir bisher nicht vorstellen, jetzt schon. Also ich für meinen Teil, habe im Kopf schon reserviert, das ich auf jedenfalls Menschen wie Martin unterstützen werde, wenn ich irgendwo wieder normal Geld verdiene. Und kann nur jedem raten es gleich zu tun, aber wahrscheinlich muss man erst einmal so eine Familie erlebt haben um an diesen Punkt zu kommen. Man kommt hierzulande mit 35-80 Euro im Monat, je nach Alter des Kindes, gut hin. Das ist fast das was ich früher an Strafgebühren für versäumte Rechnungen bezahlt hab… also für die Zukunft!

So zurück zum Thema, wir fuhren also 65 km ins Inland und stiegen dort aus hinter einem Rock, welcher vielleicht 20m hoch war. Er bestand aus vielen größeren oder kleiner Felsbrocken, was ihn aussehen ließ als wären sie von Riesen einfach da hingeworfen wurden. Auf jeden Fall wunderbar zum Klettern. Also kletterte ich ein wenig umher, doch als die Mädels anfingen rumzuklettern hatte ich meine Meister gefunden, die sprangen von Stein zu Stein, als wären die 4-5m tiefen Spalten nicht vorhanden und ruckzuck waren sie ganz oben. Wenn sie nicht gerade am klettern waren, spielten sie verstecken und man merkte ihnen an, dass sie glücklich waren, mal was neues zu sehen, normalerweise bleiben Tamilen ihr ganzes Leben in ihrem Dorf. Das ist sogar in der Sprache verankert, es gibt im Tamil kein Staat, keine Stadt, kein Land, man fragt immer aus welchen Dorf man kommst. Auch wenn das “Dorf” Europa, Deutschland, Sachsen, Nrw, Leipzig oder Bochum heißt. Nach einem Picknick unter einem Baum und ausgiebigen gekletter, ging es dann zum Tempel, dort gab es dann die Sarisvathi Puja. Sarisvathi ist der Gott der education und Arbeit an dem Tag werden alle Werkzeuge und sonstige Arbeitsmittel geheiligt. So fuhren zum Beispiel fast alle Autos mit Palmenblättern und Blumenschmuck auf der Motorhaube durchs Land. Und eine Puja ist ein Gebet für den Gott. Es werden also kleine Opfergaben auf den Schrein gelegt und dazu ein kleines Feuer angezündet, dann betet man für ein Unfallfreies Jahr. An einem solchen Tag erkennt man auch erstmal die Spiritualität der Region, nahezu an jedem Auto war das Zeichen Sarisvathis und Naturschmuck.

Freitag, 25. September 2009

Snake vs. Mungo

Wir waren auf dem Weg zur Disciplinefarm um Daria be ihrem Ameisenproblem zu helfen, da Lucas und ich mittlerweile viele Erfahrungen mit deren Bekämpfung gesammelt haben. Doch was wir dort erleben werden ahnten wir noch nicht. Wir kamen also an und schauten uns das Problem an, sie hatte einfach nur etwas zu essen in der Kapsel gelassen und ich war fasziniert, das die Ameisen selbst die kleinsten Essensreste finden. Dann hatten wir das Problem gelöstund wollten uns auf zum Tamil Kurs machen. Dann raschelte es im Gebüsch und man hörte etwas fauchen. wir schauten hin und eine Kobra richtete sich auf und breitete Ihr Schild aus, aber zum Glück von mit dem Rücken zu uns. Dann kam ein Mungo, die sind hier zuständig für die Schlangenjagd, aus dem Gebüsch und kämpfte mit der Schlange. Zum Glück hatte ich meine cam dabei, das erste mal übrigens seit dem ich hier bin, also seht selbst der Link ist rechts in der Liste. viel Spaß beim schauen, jetzt kann man drüber lauchen und staunen, aber glaubt mir, danach war uns in dem Moment nicht...

Dienstag, 22. September 2009

Tamilen at work

Auf Arbeit habe ich sehr viel mit Tamilen zu tun und die letzten Tag haben wir Laternen in einer Räucherstäbchenfabrik aufgebaut indem nur Tamilen arbeiteten und dazu vorrangig Frauen. Ich habe so das Gefühl das sie einfach etwas kindlicher als die Europäer, ich weiß das ist jetzt schubladendenken, aber hier ein paar Erlebnisse. In diesem besagten Betrieb gibt es immer mehrere Teepausen, dann wird eine Glocke geschlagen und alle Frauen kommen aus ihren Löchern. Und dann steht da so ein weißer und hält eine Leiter… man merkt wie alle tuscheln und leise kichern. Später lief ich dann an einer Halle vorbei und es kam ein leises “Hi” und “hello” und als ich hinschaute sah ich nur die Hinterköpfe und die vorgehaltene Hand von kichernden 30-40 jährigen Frauen, schon witzig irgendwie. Oder ich stand auf der Leiter und band Kabel zusammen und vor mir war ein Fenster, nach einiger Zeit schaute ich hinein und die Tamilinnen grinsten mich an und winkten, nach dem ich zurückwinkte haben sie auch gekichert wie wild und voll beschämt geguckt. Einen Moment später kam ein Mann auf das Fenster zu und machte mit grimmigen Blick die Fensterläden zu, sodass man nicht mehr hineingucken konnte.
Dann gibt es auch noch meine direkten Kollegen mit denen ich auf die Baustelle gehe, die sind auch ganz witzig. Zum Beispiel immer wenn eine blonde weiße Frau vorbeifährt verrenken sich die Kollegen den Hals und dann kommt als erstes, “Toni, kennst du die?!” und auch sonst stehen sie den Tamilinnen in nichts nach. Dann letztens hatten sich 2 angefangen zu ärgern und spuckten sich gegenseitig mit Wasser voll, das fand der dritte lustig und musste natürlich mitmachen. Schon witzig wenn sich gestandene Männer mit Wasser bespuckenund dabei rumrennen wie kleine Kinder.
Dazu kommt noch das die zeit hier nicht so wichtig zu sein scheint. Immer wenn ich pünktlich komme und als einziger auf die anderen warte, geht’s “aaaah germany” sehr witzig auf jeden Fall.

Granit Mines die 2.

Auch diesen Sonntag beschlossen wir uns zu diesen wundervollen Ort aufzumachen. Doch anders als das letzte mal hat es am Vortag geregnet und das letzte Stück des Weges besteht aus einer Sandpiste mit sehr sehr vielen Schlaglöchern Somit waren diese Löcher alle samt zu riesigen matschigen Pfützen geworden. Es war wie ein Vorgeschmack, wie es sein wird wenn zur Monsunzeit alle Wege so matschig sind… Jedenfalls bin ich dann so halb Kamikazemäßig durch die ersten Löcher durch und wir warens schon gut nass, als dann aber so nach 20 min die vorletzte Pfütze kam passierte es. Mitten in der Pfütze schien ein großer Stein zu sein gegen den ich direkt fuhr. Ich kam auf der Stelle zum stehen und hatte mühe das Bike am stehen zu halten. Dabei stand ich mit meinem Fuß tief im Schlamm so das mein Flipflop stecken blieb. Dann versuchte ich das büke erstmal aus dem Loch zu schieben, doch irgendwie ging das nicht so recht, dann stellte ich fest, dass meine Bremse so stark verbogen war, das sich das Hinterrad nicht mehr drehte… normalerweise ist die Hinterradbremse bei dem Bike vor dem Tritt, ab dem Zeitpunkt war sie hinter dem Tritt. Nach einigem rumbiegen hatte ich die Bremse dann vom Rad lösen können. Dann brauchten wie nur noch meinen Schuh, der noch irgendwo im Schlamm steckte, nach zweimaligen durchlaufen Barfuß durchc den Matsch hatte ich keinen Bock mehr und meinte, ach scheiß drauf dann fahr ich halt ohne Schuhe weiter… Doch Daria ließ nicht locker und meinte wir finden den jetzt. Dann hatte ich echt jegliche Lust verloren und wollte einfach nur noch zum Bike und weiterfahren, in dem Moment stolperte ich im Schlamm über meinen Flipflop… was für ein Zufall… Naja dann verlief alles recht unspektakulär, wir sprangen von den Klippen, ditschten uns und philosophierten über unsere ersten 2 Wochen. Dann fuhren wir den Matschweg zurück und aßen bei unserem Lieblingsinder Parotta mit scharfer Soße, lecker…

Indische Effizienz

So, nun zu meinen ersten Erfahrungen im indischen Arbeitswesen. Die Aufgabenstellung für mein Team lautete: Vormittag bei einer Räucherkerzenfabrik Straßenlaternen anzubringen. Es ging echt nur um das schlichte anhängen und verbinden von Kabeln der Laterne mit dem Solarpanel. Eigentlich kein Thema würd ich sagen, aber so einfach geht es nicht… wir fingen also zu viert an die erste Laterne anzubringen, nach 2 Stunden friemeln und Kabelkleben war das Werk vollbracht, dachten wir zumindest, denn von den 16 LEDs liefen gerade mal 6, also musste die Laterne wieder abgebaut werden und bei der Herstellerfirma reklamiert werden. Das gleiche Spiele machten wir auch bei der 2.Laterne, bis ich die Idee ins Spiel brachte die Laternen vorher mal zu testen. Als wir das taten stellte sich heraus, das nur eine funktionierte, also ließen sich meine tamilischen Kollegen viel zeit um so eine Stunde vor Feierabend den Chef zu informieren… So das Fazit des ersten Tages, 4 Mann installieren eine Solaranlage an einem Tag, wobei 4 für den Vormittag geplant waren…

Einbringen in das Projekt

Nach der ersten Woche Arbeit kann man ja mal schauen was man so bewegt und getan hat. Klingt zwar nicht so spannend aber passte trotzdem irgendwie, die Umgebung macht es grad irgendwie besonders. Also ich habe Kabel verlegt, Solarpanels angeschlossen und Panels überprüft. Interessant fand ich wie schnell Ideen in die Tat umgesetzt werden. Ich regte heute an das Teammeeting als eine Art Forum zu nutzen um zu erzählen, was blöd lief und festzustellen wie man das verhindern kann. Einen halben Tag später stand es direkt als Hauptpunkt auf der Agenda für nächste Woche, das freut einen dann schon. Dann wurden bei dem Teammeeting noch ein paar Bilder von einen Trip nach Nordindien gezeigt, bei dem einige Kollegen Solaranlagen in Nordindien Nähe der Grenze zu Tibet aufgebaut haben. Sah auf jeden Fall interessant auf, vielleicht komme ich ja auch mal in den Genuss, ich gebe mein bestes. Wäre schon schön, wenn man mal die Gelegenheit bekommt ein Stück pures Indíen zu erleben.

Granit Mines die 1.

Sonntag in Indien… der einzige freie Tag der Inder in der Woche, also hat nix auf, außer der Sundaymarket in Pondy. Allerdings war uns an dem Tag nicht nach stoppen und irgendjemand meinte man könnte in den Granit Mines, welche so ca. 25km von Auroville weg sind, wunderbar baden. Und vor allem können die Mädels auch ihren Bikini auspacken, weil dort weit und breit nichts ist. Also fuhren wir zu sechst auf 3 Motorrädern los. Mit einer Skizze wie wir fahren mussten, das sah ungefähr so aus: bis zu Teerstraße dann rechts nach dem zweiten Dorf links dann bis eine S-Kurve kommt dort in der Mitte der S-Kurve den Schotter runter runter und der Sandstraße eine Weile folgen… Und wider erwarten haben wir es direkt gefunden…aber so ist das hier nun mal, das unpräzise klappt auch. Als wir dann nach 1 Stunde fahrt bei den Granit Mines ankamen waren wir überrascht, Menschenleere Gegend und das in Indien… und doch schön. Sauber und angenehm warmes Wasser. Also gingen wir in das warme nass, wie warm war es? Sagen wir es so es sind auch die Mädels direkt und ohne zögern direkt rein und das will was heißen. Jedenfalls hieß es das die Mines auch gut zum Klippenspringen sind, da sie steil ab gehen und sehr tief sind. Also Suchten wir uns geeignete Stellen und Kletterten vom Wasser aus direkt den Hang hinauf. Unten checkte immer jemand ob es Tief ist bevor jemand sprang, na eigentlich sprangen auch nur Jan, Bene und ich. Die anderen hatten zuviel Angst… als ich dann nach ein paar Kopfsprüngen aus so ca. 4m Höhe auf einem Plateau noch 2m höher stand riefen alle etwas von wegen Toni nicht Kopfwärts… und ich schwankte zwischen Angst und dem Willen diese Angst zu überwinden, nach ein paar Minuten spring, nicht spring, spring… nahm ich allen mut zusammen und machte den Kopfsprung. Als ich in der Luft war hatte ich so ein Gefühl von Freiheit, nicht wegen der Luft um mich herum, sondern einfach das ich mich nicht von der Angst hab beeinflussen lassen. Dann wurde es auch schon langsam dunkel und wir schwammen zu unserer Einstiegstelle zurück. Auf dem Rückweg hielten wir dann noch bei einem dieser kleinen Imbissbuden und aßen frischen selbstgemachte Parotta, schwer zu erklären was das ist… einfach Teigfladen, aber furchtbar lecker und locker, mit diversen Soßen. Und ein paar Tage danach kann man auch sagen, das man da wieder hingehen kann, weil alle haben es gut vertragen.

Dienstag, 15. September 2009

10 Tage Indien

Hier ein erster kleiner Auszug über mein leben in Indien.
Die ersten Tage waren geprägt vom Jetlag, kennenlernen von Auroville und Umgebung, den anderen Weltwärtslern und Indischen Städten und Dörfern.

Als erstes ein kurzer Einblick wie ich hier lebe.
Ich wohne im Moment mit 3 anderen Weltwärtslern, einem Schweden und einem Franzosen in einem Zimmer im Youth Hostel, im Zimmer gibt es ein Schließfach, eine Matratze eine Kopfkissen und ein Bettlaken für jeden. Wie es halt so ist hat man Hier Unisexwaschräume auf dem Gang und Waschmaschinen, die 5 min mit kalten Wasser waschen. Also bleibt nur Handwäsche… achja dann gehören zu dem Hostel noch 1 watchman und 3 Ammas (Putzen), welche allerdings irgendwie den ganzen Tag rum sitzen, es aber trotzdem schaffen alles sauber zu halten… das ist hier sehr wichtig, denn es gibt verdammt viele kleine Tierchen, die bei kleinsten Essensresten die Gebäude stürmen, das geht von Ameisen, über Ratten bis zu Hunden und Katzen.
Auf den Straßen begegnet man hier nicht nur Autos und Motorräder sondern auch Hunden, Ziegen und Kühen. Was bei dem indischen Verkehr nicht gerade einfach ist denn man muss sich vorstellen, dass der indische Verkehr, nur wenigen Regeln folgt und zwar dem Linksverkehr, das heißt man sollte möglichst links fahren und auf die anderen Verkehrsteilnehmer achten. Angesichts der Tatsache das man eh selten Platz hat schnell zu fahren, gibt es auch keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Einzig die Speedbreaker, Fahrradfahrer und das eigene Bike bremsen einen. Allgemein sieht man das Thema Regeln hier ziemlich locker, so gibt es zwar Regeln aber wenn man an ihrem Sinn zweifelt, kann man sie durchaus brechen. Sehr sympathisch diese Einstellung.

Was ist Auroville

Auroville an sich muss man sich vorstellen als eine Ansammlung von Menschen aus aller Welt Vorrangig zwar Frankreich, Deutschland und USA, aber es ist doch sehr bunt gemischt. Die Idee dieser Stadt fundiert auf den Gedanken von Sri Aurobindo, ein Guru welcher in England studiert und später für die Unabhängigkeit Indiens kämpfte. Nachdem er an einem gewalttätigen Aufstand gegen die Engländer zu Beginn des letzten Jahrhunderts ins Gefängnis kam, machte er sich Gedanken über den Sinn des Lebens und schwor der Politik und Gewalt ab und widmete sich der Philosophie. In dieser Zeit entstanden viele seiner Bücher. Später flüchtete er dann aus Kalkutta nach Pondicherry und gründete hier einen Ashram. Hier lerne er dann eine Französin kennen die man später nur noch “die Mutter” nannte. Gepaart mit dem Geist der 68er wurde dann Anfang ‘68 diese Stadt als Ort der spirituellen und geistlichen Entfaltung und nach Vorstellung der Mutter gegründet. Geplant war die Stadt für 50.000 Menschen. Welche sich Kreisförmig, mit dem Banjon-Tree, welcher als einziger Baum in einer Wüste aus roter Erde stand, als Mittelpunkt neben Pondicherry erstreckte. Dieser Kreis hat einen inneren und einen Äußeren Kreis, den Inner Circle und den Greenbelt. Auf dem Greenbelt sollten ökologisch-nachhaltig wirtschaftende Farmen entstehen und somit Auroville komplett mit Lebensmittel zu versorgen. Der Inner circle sollte dem lebenslangen lernen dienen, hier sollten diejenigen die etwas besonderes können, ihr Wissen weitertragen, an diejenigen, die gewillt sind diese Fertigkeiten lernen zu wollen. Das Ganze fundiert auf dem Prinzip, Gib was du hast und du bekommst was du brauchst. Als Verbindung zwischen inner circle und Greenbelt sollten sich wie Galaxien die Industrialzone, die culturalzone, internationalzone, livingzone entstehen.
Lange Rede kurzer Sinn, das war der Plan vor 40 Jahren und es ist hier auch viel passiert, doch scheiterte viel an ziemlich simplen Problemen. Das eine ist das der Erfolg und die Errungenschaften von Auroville, aus einem Stück toten Land blühende zu machen, zu dem Problem führten, das die Nachkommen der Grundbesitzer, welche Ihr wertloses Land freiwillig an Auroville abgaben nun Ihr Land zurückfordern. Zudem sind die umliegenden Grundstücke innerhalb der Kreise so immens an Wert gestiegen, dass sie schlicht zu teuer sind. Außerdem ist rund um Auroville indische Wirklichkeit, das heißt es werden toxische Pestizide gespritzt, Industrieabfälle in die Flüsse geleitet und die Umwelt in jeglicher Hinsicht vergiftet oder zerstört wird, nicht aus Boshaftigkeit sondern meist aus Unwissenheit. Auch da setzt Auroville an und zieht in die Dörfer und fängt mit Aufklärungsarbeit an bezüglich der Müllentsorgung und ähnlichem. Auch was das soziale angeht wird viel getan, z.B. gibt es hier eine Behindertenbetreuung für Kinder, welche in den sozialen Alltag integriert werden sollen, deren Fertigkeiten gefördert und irgendwann ins Berufsleben eingegliedert werden sollen. Normal werden behinderte Kinder hierzulande versteckt und vernachlässigt.
Dann gibt es hier von Grundschulen bis weiterführende Schulen eigentlich alles. Sie haben gemein, dass sie nicht typisch indisch Unterrichten, das heißt eher antiautoritär. In Indien ist es leider noch üblich, das Kinder geschlagen werden, auch wenn sie nur eine falsche Antwort geben… Allgemein wird sehr viel Wert auf Autorität gelegt. Die Aurovilleschulen hingegen sind im 21.jh. Angekommen.
Achja dann gibt es auch noch mein Projekt AuroRE genannt. Wobei das RE für renewable energies steht. Wir bauen Solarheater und Photovoltaikanlagen für den Endverbraucher vorrangig in Auroville, aber auch in Tamil Nadu und ganz Südindien. Zudem haben wir auch ein paar “Erfinder” im Team, die die ganze Zeit rumbasteln und neue Dinge entwickeln. Aktuell z.B. eine Solare Klimaanlage, welche ohne Strom funktioniert, aber wie eine normale Klimaanlage ausschaut. Ziel dabei ist klar, Umweltschonende Produkte so anbieten zu können, das sie sich auch verbreiten. Meine Aufgabe wird vorerst darin bestehen, die Tamilischen Arbeiter beim Aufbau und der Wartung zu unterstützen.
So jetzt wieder zum Thema, ganz wichtig ist hier in Auroville die Meditation, daher hat man auch einen großes Meditationszentrum im Zentrum gebaut, das Matrimandir eine ca. 20 m hohe Kugel, die in der Luft über einem Lotusblütenteich (Aurobindo ist übersetzt die Lotusblüte) zu schweben scheint. Von ganz oben wird ein Lichtstrahl senkrecht in den innerchamber und dort auf eine Glaskugel mit einem Druchmesser von ca. 1m und weiter bis zu dem Teich geleitet, es wirkt wie ein seidener Faden, welcher wie ein Lot durch das Matrimandir gleitet.

Aber interessanter sind vielleicht ein paar völlig unspirituelle Geschichten die ich bisher hier erlebt habe.

Das Dicke Bike

Ich versuchte mir so schnell wie möglich ein Motorrad zu besorgen, also fragte ich unsere Paten, ob sie jemand kennen, der eins zu verkaufen hat. Dann kam Martin und sagte, sein Sohn hätte eins, das sei ihm zu schnell… man kann die aurovillianische Jugend durchaus mit der deutschen Dorfjugend vergleichen, zumindest was ich bisher davon kennengelernt habe. Schrauben alle an Ihrem Moped rum und einer hat ein dickeres Bike als der andere… Es stellte sich heraus, dass das zuverkaufende Bike eine für mich doch etwas zu dick war. Es hatte 180ccm was immerhin 80 über dem für mich erlaubten sind, allerdings sieht man das hier nicht so streng und daher war das nicht das Problem…
Allerdings war es das erste Bike auf dem ich je gesessen habe. Ich nahm es erstmal 1 Tag zur Probe. An diesem Tag schwankte ich zwischen “super-bike” und zu stark für mich…
Als ich losfahren wollten zog es mir direkt wie ein wildes Tier los und brach mir aus so das ich mich langlegte, hatte einfach die Kupplung zu schnell kommen lassen. Also entschied ich mich dann doch auf ein kleineres Bike umzusteigen. Nun hab ich eine Maschine mit 100 ccm und es macht spaß, obwohl es doch deutlich weniger Power wie die andere hat…

Fahrt nach Pondy

Heute machten wir uns auf nach Pondycherry (Puducherri im Indischen) eine Stadt mit 220.000 Einwohnern, die sich aber scheinbar alle auf einmal im Zentrum befinden.
Wir fuhren also ganz indisch mit dem Bus und man kennt ja die Bilder auf denen die Leute an den Bussen hängen und so ist es wirklich. Wir fuhren dahin, wo es hieß, da sei eine Bushaltestelle, stellten unsere bikes ab und tranken einen Chai.
Nachdem lautes hupen das leise hupen übertönte standen wir auf und machten uns bereit einzusteigen oder besser, aufzusteigen. Es bildete sich an der Stelle wo der Bus halt immer hält eine kleine Menschen masse und dann kam der eigentlich volle Bus. Also zwängten sich die leute hinnein und wir auch, so das ich noch auf die letzte Stufe des Busses passte. Ich fand das ein tolles Gefühl als wir losfuhren und der Wind wehte und die Sonne schien und Palmen säumten den Weg. Das typische Indien dacht ich mir.

Ein Vormittag in Pondy - Zeichen der Armut

Wir kamen also an in Pondy in dieser typischen Indischen Stadt, welche im letzten Jahrhundert mal französisch und mal unter britischer Herrschaft stand und dadurch einen gewissen Charme bietet, ist schwer zu beschreiben…
Jedenfalls gingen wir die Nehru Street entlang, was eine einzige Ladenstraße ist, vielleicht 3km lang und rechts und links ununterbrochen kleine Händler. Hier bekommt man alles was man so zum leben braucht wurde uns gesagt und so ist es auch fast zumindest. Ich brauchte eigentlich nix, nur eine Umhängetasche und eine Mütze. Und Bene suchte verzweifelt nach einem Geldautomaten der seine Visa-Karte annimmt. Hier ist das Problem, das die meisten Automaten einfach kein Geld haben oder gerade außer Betrieb sind… also hielten wir an jeder Bank und warteten draußen auf Bene, was dann für die einheimischen hieß das sie jetzt auf uns stürzen können und uns alles mögliche verkaufen können…
am nervigsten waren die Typen mit den kleinen handgemachten Trommeln. Wenn man zu ihnen sagte man brauche so etwas nicht hieß es gleich man solle es doch für seine Freunde oder Geschwister kaufen, sie hätten auch einen spezial-, super-, oder goodprice nur für mich…
Dann gab es aber noch die kleinen Jungs vielleicht so im Alter von 6-8 die uns ihre kleinen Täschchen verkaufen wollte, wofür ich allerdings einfach keinen Verwendungszweck wüsste. Sie boten diese uns an und nannten preise die bis zu einem halben rupie gingen (0,75 Cent) da merkte man schon das man irgendwie in einer anderen Welt lebt, wenn man den kleinen mit einem ¾ Cent eine Freude machen kann… Wobei dann immer noch die Frage bleibt ob auch dieser winzige Betrag im Endeffekt bei dem Kind landet oder ob sie ihren Verdienst irgendwen abdrücken müssen…
Diese Menschen belagerten uns also in der Zeit in der Bene versuchte Geld abzuheben, um den Zeitraum in dem sich das abspielte zu verdeutlichen. Nun hatte ich das Problem, das ich mir ersten vorgenommen hatte nie Geld zu spenden um eben solche mafiösen Gruppen nicht zu unterstützen, sondern nur Dinge zu geben. Und Zweitens hatte ich zu diesem Zeitpunkt nur 500 Rs Scheine dabei, was hier eine ganze Menge ist, was man daran sieht, das die kleinen Läden die Scheine kaum wechseln können… Also konnte ich mir auch keine Packung Kekse holen und die dann an die Kinder verteilen. Demnächst werde ich immer eine Packung Kekse dabei haben wenn ich nach Pondy fahre, das tut meinem Gewissen dann ganz gut…
Wir gingen also weiter bis runter zum Strand. Der nicht gerade ein “Miami-Beach” ist, sondern eher rote Erde und Steine, sodass man höchsten ein paar Spritzer des warmen nasses abbekommt ohne über das Geröll zu klettern. Dort am Strand steht eine Große schwarze Gandhi-Statue, welche ihn beim Salzmarsch zeigt mit typischen langen Gehstock und runder großer Brille. Und rundherum weiße Säulen, welche die Statue eher wie einen Altar wirken lassen. Gegenüber steht eine Statue des wohl bekanntesten Weggefährten Gandhis, dem ersten Ministerpräsident Indiens, Nehru. Welche allerdings ziemlich klein wirkt im Gegensatz zu Gandhis.
Wir standen also vor der Statue und plötzlich kamen 2 Inder auf uns zu, mit breitem Grinsen im Gesicht und völlig aufgeregt. Der eine hatte eine Kamera in der Hand und der andere fragte uns, ob er nicht ein Foto mit uns und seinem Kumpel machen kann. Dann standen wir also da und ein Inder ließ sich mit den Europäern ablichten voller stolz und für einen Augenblick fühlte ich mich wie der einheimische, der sich gerade mit dem Touri ablichten lässt. Sehr strange…
Dann aßen wir erstmal ein Eis im LeCafè, an den Strand schließt sich gleich das französische Viertel an. Und in den größeren, namhaften Restaurants und Cafès kann man bedenkenlos Eis essen, woanders sollte man lieber darauf verzichten, zumindest als Europäer, der Hygiene wegen.
Kurz darauf begaben wir uns dann wieder in Richtung Einkaufsmeile und ich fand auch direkt ein Taschenstand, wo ich eine Umhängetasche für 180 Rs (3 €!) kaufte. Doch Mützen/Cappis sucht man hier vergebens, kaum ein Inder läuft mit Kopfbedeckung rum, faszinierend in einem Land in dem fast ununterbrochen die Sonne scheint…
Dann gingen wir noch im Bombay Andesh Bhavan, einem guten vegetarischen Restaurant essen ich weiß zwar nicht mehr genau was ich aß aber es war sehr lecker und ist mir auch gut bekommen, allgemein hab ich bisher sehr wenig Probleme mit dem Essen, aber das kommt schon noch… Zu dem Preis ist noch anzumerken, wir hatten zu 7. reichlich zu Essen und es hat allen geschmeckt und eine Rechnung von 500 Rs (ca. 8€) das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
Nach dem Essen schwärmten wir wieder aus und schauten uns um und während Bene sich eine Hose aussuchte kam eine Form von Bettler, welche mir am unangenehmsten ist. Ein kranker Mann mittleren Alters. Er stand hinter mir und ich hörte nur ein leises “excuse me, excuse me” ich drehte mich um und da stand dieser Mann ausgemergelt und mit einem verdammt traurigen Blick und einer Tüte in der Hand. Ich sagte ihm ich könne ihm nix geben, daraufhin fing er an zu erzählen wie krank er sei und holte haufenweise Medikamente aus seiner Tasche und eine Art Gesundheitspass mit Passfoto und Stempeln diverser Kliniken in Tamil Nadu. Den Tränen nahe meinte er, er brauche nur Geld für ein Busticket nach Chennai um dort in eine Klinik zu gehen… was macht man nun… ich hatte mir geschworen niemanden Geld in die Hand zu geben, auch weil ich gehört habe, das sich Leute absichtlich verstümmeln um mehr erbetteln zu können.
Aber es gab auch Situationen über die wir lachen konnten, wir gingen keine hundert Meter weiter da kam eine Französin auf uns zu, die Bene und mich fragte ob wir nicht Lust hätten bei einem Fotoshooting mitzumachen, allerdings verstanden wir sie nicht so richtig, sie konnte nur französisch… jedenfalls kam bei uns an, das wir für ein Fotoshooting für einen Nightclub mitmachen sollten… wir lehnten ab und malten uns aus was uns erwartet hätte… dann gingen wir weiter lachten und grinsten uns einen ab, dann kam ein kleiner dicker Inder auf uns zu und meinte “Marihuana? Good Marihuana!” da war alles vorbei es war einfach dieses Bild, was uns nicht mehr aufhören ließ einfach zu lachen…

Fahrt von Pondy zurück

Wir gingen also vom Zentrum Richtung Bushaltestelle und stellten dann fest, dass der Busbahnhof doch etwas weiter weg ist. Also fragten wir ein paar Inder wie wir dahin kommen, bzw. wie weit es noch ist. Das Resultat war das er seinen Kumpel anrief der uns dann in seiner Rikscha zu 6. bis zum Busbahnhof fuhr. Dort waren wir anscheinend die einzigen Europäer seit langen und die totale Hauptattraktion und als wir beim 2. Bus fragten ob der nach kottakarai fährt und auch nicht der richtige war, wollte uns plötzlich jeder helfen. Allerdings konnten die wenigsten Englisch und sprachen mit uns die ganze zeit Tamil und ließen sich auch nicht davon beirren das ich nur auf englisch antwortete. Krass war als mich mir der Bäcker dort meinte uns helfen zu wollen und mich fragte wo wir hinwollen, natürlich nur auf Tamil und mit teilweise gebrochenen Englisch. Ich sagte nach Kottakarai und plötzlich standen 10 Tamilen und redeten auf Tamil auf mich ein. Und da ich auch nicht unfreundlich sein wollte lies ich es erstmal auf mich einprasseln. Doch sie hörten nicht auf dann hielt mir einer seinen Zeigefinger kurz vors Gesicht und meinte “Auroville! Auroville!”. Und ich sag so “Auroville, Kottakarai.” daraufhin. “Auroville! Auroville!” ja wie soll man darauf reagieren? Jedenfalls bildete sich nach und nach ein Kreis um uns, wo jeder meinte zu wissen, wo wir lang müssen. Zwischendurch fingen sie neben uns zwischen 2 chai ständen an die Kanalisation zu bereinigen. Das sieht hier so aus das man eine gehwegplatte beiseite schiebt dann barfuss natürlich reinsteigt und eine Schüssel nach der anderen mit Müll und Schmodder auf die Straße klatscht, was natürlich furchtbar stinkt… aber rechts und links die Bäckerein und chaihändler machten ihre arbeit weiter, auch sonst schien das niemanden zu stören das es bestialisch stinkt…
Allgemein ist der Geruchssinn der Inder anscheinend nicht sehr ausgeprägt…
Nach dem wir nun fast eine Stunde Attraktion Nr 1 waren, kam unser Bus, wir nahmen einfach an, das die blauen Busse nur unsere Strecke fahren. Dem war dann auch so und ich stellte mich wieder auf die stufen und wir fuhren los mit Wind im Gesicht. Dann saßen so 2 kleine Jungs im Bus, welche anscheind auch zum ersten mal weiße gesehn haben, auf jedenfalls schauten sie Bene und mich an und als wir zurückschauten, kicherten und lachten sie verschmitzt. Ich kam mir plötzlich völlig Fremd und doch willkommen vor. Ein sehr schönes Gefühl. Trotzdem war ich froh das wir dann endlich wieder in Auroville ankamen.