Donnerstag, 1. Oktober 2009

Ausflug mit Martin

Am Sonntag lud uns Martin, mein Weltwärts-Pate, zum einem Ausflug mit seinen Kids ein. Martin ist in seiner Haupttätigkeit Gärtner, nebenbei allerdings leistet er eigentlich viel mehr. Seine Familie besteht momentan aus Ihm und seiner tamilischen Frau plus 7 Mädels und einem Jungen und 2 Jungs aus erster Ehe, welche allerdings schon ausgezogen sind. Die Mädels sind so im Alter von 10-23 und kommen aus schwierigen Verhältnissen, was hier leider relativ häufig ist, dass der Vater alles versäuft und die Frauen schlägt. Kinder aus solchen oder ähnlichen Familien, bietet er ein geborgenes Heim und hilft den Girls selbst Fuß zu fassen, allerdings respektiert er auch die Tamil-Kultur und besteht darauf das der Kontakt zur “alten” Familie bestehen bleibt. Schwierig sind Themen wie arrangierte Heirat oder Feste für das Kind, das wird den Familien überlassen, z.B. wird hier ganz groß gefeiert, wenn das Mädchen das erste mal ihre Tage hatte, denn dann ist sie im Heiratsfähigen Alter. Solche Feste sind in der Kultur sehr wichtig und daher auch Familiensache. Fasziniert hatte mich die ganze Sache jedenfalls an einer anderen Stelle, es kam die Frage, ob er für diese “arbeit” finanzielle Zuschüsse bekommt. Denn selbst als Europäer kommt man nach einigen Jahren die man hier lebt an den Punkt an dem nicht mehr alles Günstig ist sondern normalteuer… Als Aurovillianer bekommt man einen monatlichen Fixbetrag, welcher deutlich unter dem liegt, den wir über Weltwärts bekommen. Was ich damit sagen will ist das er relativ wenig zur Verfügung hat und doch mit Herz und Seele für seine Girls da ist und sie auch finanziell unterstützt. Auf die Frage antwortete er, er hätte sich es halt ausgesucht so zu Leben und müsse also auch die Verantwortung tragen, was er mit Vergnügen tut, wie man bei ihm leicht erkennt. In die Gedanken kamen mir diverse Hilfsorganisationen die damit werben, das schon 1 Euro am Tag einem Kind ein besseres Leben beschert, ich konnte es mir bisher nicht vorstellen, jetzt schon. Also ich für meinen Teil, habe im Kopf schon reserviert, das ich auf jedenfalls Menschen wie Martin unterstützen werde, wenn ich irgendwo wieder normal Geld verdiene. Und kann nur jedem raten es gleich zu tun, aber wahrscheinlich muss man erst einmal so eine Familie erlebt haben um an diesen Punkt zu kommen. Man kommt hierzulande mit 35-80 Euro im Monat, je nach Alter des Kindes, gut hin. Das ist fast das was ich früher an Strafgebühren für versäumte Rechnungen bezahlt hab… also für die Zukunft!

So zurück zum Thema, wir fuhren also 65 km ins Inland und stiegen dort aus hinter einem Rock, welcher vielleicht 20m hoch war. Er bestand aus vielen größeren oder kleiner Felsbrocken, was ihn aussehen ließ als wären sie von Riesen einfach da hingeworfen wurden. Auf jeden Fall wunderbar zum Klettern. Also kletterte ich ein wenig umher, doch als die Mädels anfingen rumzuklettern hatte ich meine Meister gefunden, die sprangen von Stein zu Stein, als wären die 4-5m tiefen Spalten nicht vorhanden und ruckzuck waren sie ganz oben. Wenn sie nicht gerade am klettern waren, spielten sie verstecken und man merkte ihnen an, dass sie glücklich waren, mal was neues zu sehen, normalerweise bleiben Tamilen ihr ganzes Leben in ihrem Dorf. Das ist sogar in der Sprache verankert, es gibt im Tamil kein Staat, keine Stadt, kein Land, man fragt immer aus welchen Dorf man kommst. Auch wenn das “Dorf” Europa, Deutschland, Sachsen, Nrw, Leipzig oder Bochum heißt. Nach einem Picknick unter einem Baum und ausgiebigen gekletter, ging es dann zum Tempel, dort gab es dann die Sarisvathi Puja. Sarisvathi ist der Gott der education und Arbeit an dem Tag werden alle Werkzeuge und sonstige Arbeitsmittel geheiligt. So fuhren zum Beispiel fast alle Autos mit Palmenblättern und Blumenschmuck auf der Motorhaube durchs Land. Und eine Puja ist ein Gebet für den Gott. Es werden also kleine Opfergaben auf den Schrein gelegt und dazu ein kleines Feuer angezündet, dann betet man für ein Unfallfreies Jahr. An einem solchen Tag erkennt man auch erstmal die Spiritualität der Region, nahezu an jedem Auto war das Zeichen Sarisvathis und Naturschmuck.

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